Vorweg: Was ist eigentlich eine Studentenverbindung?

Eine Studentenverbindung ist eine Vereinigung von Studenten, die zusammen leben, lernen, feiern und studentisches Brauchtum in unterschiedlicher Ausprägung pflegen. So gibt es einige unterschiedliche Formen von Verbindungen, die sich äußerlich wie innerlich unterscheiden. Es gibt schlagende und nicht-schlagende (schlagen: studentisches Fechten), farbentragende und nicht-farbentragende (Farben: Das bunte Band um die Brust), religiöse und nicht religiöse, politische und unpolitische, rein männliche, rein weibliche und gemischte Verbindungen. Wir, die KDStV Wildenstein, sind eine nichtschlagende, farbentragende, katholische, unpolitische Studentenverbindung.

 

Und warum sollte jemand bei euch mitmachen?

Natürlich soll oder muss niemand. Wir bieten allerdings einiges: Eine tolle Gemeinschaft, lebenslange Freundschaft, angenehmes Wohnen unter studentischen Bedingungen und große Hilfe beim Studium oder Studieneinstieg. Außerdem bietet die studentische Tradition jedem, der sich darauf einlässt ein kleines, traditionsreiches Zuhause.

 

Um uns mal mit dem zu beschäftigen, was man so hört und liest: Seid ihr rechtsradikal?

Nein, sind wir nicht. Wir sind weder rechts noch links, geschweige denn -radikal. Wir verstehen uns als Verbindung mit politischem Auftrag, d.h. wir erlegen uns selbst die Pflicht auf, uns mit Politik und dem Weltgeschehen auseinanderzusetzen. Wer daraus aber welche Schlüsse zieht, ist jedem selbst überlassen. Wir haben in unseren Reihen Wähler der Partei “Die Linke” und Wähler der “AfD”. Beides ist bei uns nicht nur geduldet; es ist vielmehr kein Thema. Wir grenzen uns klar von jeder Form von Radikalismus und Gewalt ab und gehen entschlossen dagegen vor. Auch dies begreifen wir als Teil des politischen Selbstauftrages und als Teil der akademischen Diskurs-Kultur, deren Pflege wir intern und extern vorantreiben wollen. In dieser Kultur hat Radikalismus wie Extremismus gleich welcher Richtung keinen Platz.

 

Seid ihr dann zumindest erzkonservativ?

Ja und nein. Wenn “erzkonservativ” meint, dass wir Werte haben, für die wir einstehen und die wir vertreten, dann ja. Wenn “erzkonservativ” meint, dass wir diese Werte für uns und in der Gesellschaft bewahren wollen, dann ebenfalls ja. Wenn “erzkonservativ” hingegen meint, dass wir blind jeder Tradition hinterherjagen, ohne darauf zu achten, was ihre Vor- und Nachteile sind, dann ganz eindeutig nein. Am besten lässt sich diese Haltung wohl mit dem abgedroschenen, aber dennoch wahren Ausspruch beschreiben: “Tradition bedeutet nicht, die Asche aufzubewahren, sondern die Flamme weiterzugeben.” Eine Flamme verändert sich, wird größer und kleiner, aber sie bleibt im Kern immer gleich. Asche dagegen ist unveränderlich und staubt.

 

Wo wir gerade bei Werten sind: was sind eure?

Unsere Werte lassen sich mehr oder weniger alle auf unsere vier Prinzipien religio, patria, scientia und amicitia (zu deutsch: Religion, Heimat, Wissenschaft, Freundschaft) und unseren Wahlspruch

“In neccessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!”

(zu deutsch: Im Notwendigen [möge] Einheit, im Zweifel Freiheit und in allem Nächstenliebe [herrschen]!) zurückführen. Wir sehen uns also demgemäß als Freundschaftsbund von katholischen Studenten, der sich

“in die Verantwortung gerufen [fühlt] für die politischen und sozialen Anliegen unserer Zeit und […] [sein] Handeln unter das Leitbild von Freiheit und Menschenwürde stellt.”

(Art. 4 der Satzung der KDStV Wildenstein).

 

Das sind nun alles wunderschön blumige Worte, aber was bedeutet das?

Daraus kann man eine ganze Menge ableiten. Das wichtigste ist wohl der katholische Wertekanon, der Werte wie Nächstenliebe und Pflichtbewusstsein vorschreibt. Des weiteren ist das patria-Prinzip ein unbedingtes Bekenntnis zu unserem (Grund-)gesetz und dessen Ausführungen. Zugegeben: Es bedarf manchmal Mühe, dies in Gleichklang zu bringen, wird doch das Grundgesetz in unterschiedlichste Richtungen ausgelegt und immer wieder als Argument für abseitige Streitigkeiten herangezogen. Genau diese Mühe wenden wir tagtäglich auf um im akademischen Diskurs und in Freundschaft einen Konsens zu finden. Außerdem ist unsere gesamte – manchmal seltsam anmutende – Tradition erst verständlich, wenn man ihren Bezug zu eben diesen Prinzipien begreift. Eben dies ist die oben genannte “Flamme”: All unsere Prinzipien erhalten in den jeweiligen Traditionen einen sinnfälligen Ausdruck.

 

Wie sehen diese Traditionen aus?

Im Großen und Kleinen vielfältig. Wir tragen Farben (sprich: Band und Mütze) und “schlagen Kneipen” (traditionelle Form des Feierns). Unsere Mitglieder sind nur katholische Studenten (sprich: keine Studentinnen), die an einer Freiburger Hochschule studieren. Wir wohnen gemeinsam “auf dem Haus” (Verbindungsjargon für “im Haus”) und teilen einen Großteil unseres Studentenlebens miteinander. All dies sind nur kleine Schlaglichter, die Tradition und das verbindungsstudentische Lebensgefühl ist viel mehr, das man erleben muss und nur schlecht erklären kann. Wer möchte, der kann zu nahezu jeder Veranstaltung, die in unserem Semesterprogramm auf unserer Homepage aufgeführt ist, kommen und es erleben. Egal, ob Mann oder Frau, Student oder nicht. Wir bitten aus organisatorischen Gründen lediglich um vorherige Anmeldung. Ausnahmen davon bilden die sog. “Convente” (Mitgliederversammlungen auf denen Interna besprochen werden).

 

Ihr nehmt nur Männer auf, seid ihr frauenfeindlich?

Ganz im Gegenteil: Wir mögen Frauen sehr gerne. Aber im Ernst: Wir sehen uns nicht als ausschließend, sondern als vielfaltsstiftend innerhalb des Verbindungswesens. Es gibt Damen- und Männerverbindungen, sowie einige gemischte “Korporationen” (anderes Wort für Verbindungen). Eben durch diese unterschiedlichen Arten von Verbindungen ist eigentlich für jeden etwas dabei. Wenn nicht, wird niemand daran gehindert eine eigene Korporation zu eröffnen, die seinen Wünschen entspricht. Wir fänden es schlimm, wenn alle Verbindungen für alle offen wären und daher alle gleich. Es gäbe keine Vielfalt, sondern nur Eintönigkeit. Zum gegenwärtigen Zustand lässt sich dagegen ganz klar sagen: Das Verbindungswesen ist bunt und vielfältig und bleibt es. Trotzdem sind Frauen aus unserem Verbindungsleben nicht wegzudenken. Viele Bundesbrüder haben Freundinnen oder Ehefrauen, die gerne an Veranstaltungen teilnehmen und auf Feiern, wie auf Diskussionsabenden als Teilnehmer hoch geschätzt werden. Selbst unsere Kneipen sind – mit seltenen Ausnahmen – für Gäste (auch weibliche) nach vorheriger Anmeldung offen.

 

Ich habe den Münsteraner Tatort “Satisfaktion” gesehen, in dem ja das “studentische Fechten” gezeigt wird; macht ihr das auch?

Nein. Wir sind der Meinung, dass das Risiko einen anderen zu verletzen, nicht mit dem katholischen Prinzip vereinbar ist. Unsere Bundesbrüder können sich auf andere Art “beweisen”, als das kontrollierte Risiko einer kleinen Verletzung einzugehen. Vielmehr setzen wir auf Freund- und freiwillige Aufopferungsbereitschaft, statt auf bedingungslos hörige Disziplin. Wir sprechen allerdings niemandem seine Begeisterung fürs Fechten ab oder haben etwas dagegen, nur für uns ist das nichts.

 

Trinkt ihr viel?

Wir empfehlen jedem mindestens 2 Liter pro Tag. Damit liegen wir knapp über dem Bundesdurchschnitt, der bei 1,66l pro Tag pro Kopf liegt. Was den Alkohol betrifft, so hängt das von Perspektive und betrachteter Person ab. Wir haben Bundesbrüder die gar keinen Alkohol trinken und Bundesbrüder, die durchaus keine Kostverächter sind. Dies ist jedem selbst überlassen. Im Durchschnitt trinken wir wohl nicht mehr Alkohol als andere Studenten auch. Gleichzeitig achten wir aber gegenseitig auf unseren Studienerfolg – das klassische studentische Feiern steht also unserm universitären Erfolg nicht im Wege.

 

Für weitere Fragen empfehle ich einen persönlichen Besuch oder eine Mail an: info@kdstv-wildenstein.de